Was tut frau, wenn das Wetter in der zweiten Urlaubswoche zu nass und zu kalt für die geplante Radtour ist? Sie geht schwimmen. 😄
Aber von vorne: da die Lieblingsschwester schon seit einigen Jahren bei SwimRun-Bewerben antritt, hatte ich ja schon das ein oder andere Mal die Gelegenheit, mit ihr ein paar Trainingsrunden zu drehen. Fand das auch immer ganz lustig, allerdings fehlte mir der Ehrgeiz, intensiver in diese Richtung zu trainieren.
Bis ich vor gut zwei Monaten entdeckte, dass es bei der heurigen Ausgabe des
Allgäu SwimRun auch einen Sprintbewerb geben wird, der - tadaaa - auch als Einzelstarterin möglich sein würde. Das wäre doch mal ..., da könnte ich doch..., soll ich das probieren... So ganz ließ mich diese Idee nicht mehr los und ich erzählte sogar einer Freundin und Vereinskollegin davon. Die hatte allerdings zu diesem Zeitpunkt noch Paris-Brest-Paris vor sich, fand die Idee dort zu starten aber auch nicht uninteressant. Kurz danach stellten wir bei der Expedition Wallersee fest, dass wir das gleiche Schwimmtempo haben.
Langer Rede kurzer Sinn: nach Heides Gewaltbrevet in Frankreich beschlossen wir, als Team bei der Sprintdistanz anzutreten. (Weil es ja irgendwie doof wäre, wenn wir beide einzeln starten und dann doch gemeinsam laufen würden).
So liefen wir in den vergangenen Wochen des öfteren zum See, sprangen rein, schwammen, rannten raus und weiter usw. usf., schließlich wollten wir uns schon ein wenig auf diese, für uns ungewohnte Disziplin vorbereiten. Leider kam uns das Wetter hier aber gar nicht entgegen, denn es wollte einfach nicht dauerhaft kühl werden und so hielt sich zumindest die Wassertemperatur bis Anfang Oktober bei mindestens 18 Grad. Trotzdem schaffte ich es zumindest einmal zu einem Durchgang mit Neoprenanzug, denn das laufen darin, ist auch sehr gewöhnungsbedürftig.
Zwei Tage vor dem Bewerb tat uns dann der Obertrumersee den Gefallen auf 16 Grad abzukühlen, was wir noch für eine kurze Kältetoleranzübung nutzten, da die Seen im Allgäu immer deutlich unter 15 Grad liegen.
Die Wetterprognosen für Oy waren - spannend. Da war von 10 Grad, starkem Regen und Sturmböen zu lesen. Als wir am Freitag Nachmittag dort ausstiegen war es - schlimmer!
Schon der Weg vom Auto zur Pension und danach zum Treffpunkt der Veranstaltung ließ uns zittern und bibbern. Ich sah den großen Vorteil darin, dass ich beim laufen im Neo zumindest keinen Hitzeschlag erleiden würde.
Bei der Startnummernausgabe am Samstag war zwar noch von 14° Wassertemperatur gesprochen, aber das dürfte eine etwas zu optimistische Aussage gewesen sein. Wegen des Sturmes musste für den Hauptbewerb die Strecke geändert werden, da eine Seequerung am ersten See nicht möglich war.
Unser Start war erst um 12 Uhr, so hatten wir den ganzen Vormittag für uns zum lesen, aufwärmen und rumlungern.

Da war es sehr von Vorteil, im Team zu starten, denn ob ich so ganz alleine in dieses unwirtliche Wetter getreten wäre, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.
So aber quetschten wir uns nach dem Race-Briefing in unsere Leih-Neos. Heide hatte sich in der Früh spontan für ein langes Modell umentschieden, ich blieb bei dem für mich vorgesehenen eher dünnen kurzen Anzug.
Dann hieß es nur noch alle notwendigen Utensilien umhängen, Badekappen aufsetzen (schließlich regnete es draußen ja die ganze Zeit), Schwimmbrille einstecken und ab zum Start.
Das Starterfeld war überschaubar und um die Sache erst mal ganz locker anzugehen, reihten wir uns ganz hinten ein. Glücklicherweise hatten wir erst mal ein paar Kilometer, um uns warmzulaufen (und ich, um gleich mal über einen Stein zu stolpern und eine Bruchlandung hinzulegen). Heide legte bergab gleich ein flottes Tempo vor und ich begann nach ca. 200 Metern innerlich zu fluchen, nicht öfter mit Neo gelaufen zu sein. Ich bekam nämlich (gefühlt) schlicht und ergreifend kaum Luft. Zwar hatte ich den Reißverschluss vorne geöffnet, aber mit Startnummer und Restube war die Sache trotzdem noch ungewohnt eng. So liefen wir auch eher wortkarg den ersten Teil bis zum ersten Schwimmeinstieg. Die erste Querung war 900 Meter, wobei meine Zick-Zackroute die Strecke "ein wenig" verlängerte. Was unsere Schwimmzeit verlängerte, waren die Strömung, die Wellen und ich. Ich brauchte unglaublich lange, um in einen halbwegs vernünftigen Schwimmrhythmus zu kommen und hatte dabei ständig ein schlechtes Gewissen Heide gegenüber, die (scheinbar) ruhig dahinschwamm, weil ich wußte, dass sie im Vergleich zu mir sehr viel schneller auskühlt und in diesem kalten Wasser auf mich warten musste! Ab der Hälfte der Strecke fühlte es sich dann für mich etwas besser an, da hatte sie schon mit der Kälte zu kämpfen. Die Helfer beim Schwimmausstieg waren bestens vorbereitet und hatten sogar warmes Wasser, das sie sich dann über die Zehen goß, um weiterlaufen zu können. Nach diesem Teil wußten wir, dass es nun nicht mehr ganz so schlimm werden würde. Es kamen noch 2 kurze Schwimmabschnitte kurz hintereinander und dann die letzten 2-3 Laufkilometer zum Ziel.
Nach dem dritten Mal schwimmen, wobei die Wellen von hinten links kamen und ein "tolles" Wellenreitergefühl aufkommen ließen, bat ich Heide, mir auch den hinteren Reißverschluss des Neos aufzumachen, weil ich hoffte, dadurch mehr Luft und Energie für die letzte Etappe zu kriegen. Nur hatte mir da blöderweise schon jemand den Stecker gezogen und so zuckelten wir im Sparmodus den Weg zurück.
Aber angekommen sind wir trotzdem und wurden - leider für sie, aber netterweise für uns - im Ziel von der Lieblingsschwester begrüßt, die mit ihrer Teampartnerin wegen Unterkühlung aufgeben musste.
Dort gab es erst mal heiße Suppe (für mich), Tee und Schokolade für Heide und nachdem wir uns umgezogen und das Nudelbuffett geplündert hatten, kehrten auch die Lebensgeister zurück.
Dass wir es mit dieser Leistung auf den dritten Platz der Damenteams geschafft haben, lag daran, dass es nur drei Teams gab! Trotzdem war es ein unglaublich tolles Erlebnis, das ich alleine wohl nie so hätte durchziehen können!
9km laufen, 1,5km schwimmen, 8° Luft-, ca.10° Wassertemperatur, Regen, stürmischer Wind, 1h41;