Sonntag, 5. Juli 2026

Flucht vor dem Fest

Jedes Jahr treibt mich das Stadtfest in Seekirchen ein Wochenende in die Flucht. Ich habe schon versucht, trotz Lärm zu Hause zu bleiben und die Nacht durchzulesen, war im Lungau, am Attersee, einmal im Schwesternasyl und in Lauterach. 
Heuer fiel ein schon länger geplanter Ausflug an den Moldaustausee leider meiner zu kurzfristigen Planung (alle - für mich - möglichen Campingplätze ausgebucht!) zum Opfer, aber da ich ja eine längere Ausflugswunschliste habe, war der Ersatz schnell gefunden. 

Ziel war ein kleiner Ort im bayrischen Landkreis Weilheim-Schongau namens Polling, der eine faszinierende Kunstinstallation bietet. Wie ich auf "STOA169" aufmerksam geworden bin, weiß ich selbst nicht mehr, aber es steht seit einiger Zeit auf meiner Wunschliste. 
Samstag ging es schon früh los, wenn ich schon mal von selbst um kurz nach 5 Uhr aufwache, nutze ich die Zeit doch gleich. Kaffeetrinkend wird Brownie gesattelt und los geht es. Vorteil der frühen Stunde - kein Verkehr auf der A8 und so habe ich in Bad Tölz einen kleinen Zwischenstopp und Frühstüstückspause eingelegt. 

Dank der frühen Stunde kann ich in aller Ruhe durch die Fußgängerzone spazieren und danach über kleine Gässchen wieder zurück zum Parkplatz schlendern. 

Danach geht es weiter nach Polling und dem Hauptpunkt meines Ausflugs. Brownie darf auf dem ausgeschilderten Parkplatz stehen bleiben, ich folge den Pfeilen, die zur Ausstellung führen. Auf den ersten (und vielleicht auch noch auf den zweiten) Blick wirkt sie überschaubar. 

Aber sobald ich beginne, mir die Säulen genauer anzuschauen, vergesse ich den ersten Eindruck und schaue und staune und entdecke bei jeder neuen Runde etwas, was mir zuvor noch nicht aufgefallen ist. 

Ich mäandere durch die Gänge, die nicht nur die unterschiedlichsten Säulen zeigen, 
sondern auch durch die offene Architektur tolle Anblicke
und Ausblicke.
Immer wieder bleibe ich bei einer bestimmten Säule stehen und lasse sie wirken
lese 
und begegne auch bekannten Künstlern (Erwin Wurm der auch die Gurkerl gegenüber der Salzburger Festspielhäuser gestaltet hat).
Es gibt auch Spiegelsäulen, die dazu einladen, mit der Fotoperspektive zu spielen ...
Nach einer kurzen Pause auf einer der Bänke, die um die Installation stehen, verabschiede ich mich von den springenden Giraffen und radle über Umwege wieder zurück zum Parkplatz. 

Danach gilt es, den "eigentlichen Zweck" dieses Ausflugs zu erfüllen und einen ruhigen Platz zum Übernachten zu suchen. Nach ein paar Versuchen finde ich einen am Walchsee, wo ich (dank eines Falschparkers auf dem mir eigentlich zugewiesenen Stellplatz) einen 1. Reihe fußfrei am See bekomme. 
Lässt sich aushalten!
Mit einem Buch und einem entspannten Schwumm verbringe ich den restlichen Nachmittag und gönne mir ein gutes Abendessen und einen schönen Spaziergang zum Sonnenuntergang. 
Die Abendstimmung deutete schon an, dass heute das Wetter bewölkt-regnerisch sein wird und so schwimme ich in der Früh noch eine Runde im Regenguss, bevor ich meine Siebensachen wieder verstaue und auf fast leeren Nebenstraßen nach Hause fahre. 
Zu Mittag ist der Kurzurlaub mit Brownie wieder beendet, die Reste des Stadtfestes werden noch weggeräumt und ich verfolge im Fernsehen die Führenden der Challenge Roth auf ihren letzten Kilometern bis ins Ziel. So habe ich zumindest noch ein wenig Passiv-Sport und kann den Rest des Tages beruhigt auf der Couch verbringen. 

10 Kommentare:

  1. Liebe Doris,

    das hört sich nach einem gelungenen Alternativ-Programm an!

    ... und die Fotos erst von den Säulen! Da sieht man, wie vielfältig kreativ Künstler sind und sein können! Da kann ich mir vorstellen, dass man in jeder neuen Runde etwas anderes entdeckt und andere Perspektiven neue Ansichten eröffnen!

    Ich kann dich sooo gut verstehen! Wir wohnen zum Glück nicht nahe am Stadtkern, wo gerade das Heinerfest tobt! Viel zu rummelig und noch lauter!

    Liebe Grüße Manfred

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    1. Lieber Manfred,
      danke, es hat auf jeden Fall Spaß gemacht! :D
      Es kam mir auch so vor, als würde ich mit jeder Runde mehr sehen. Es war sehr schön, dass ich mir Zeit nehmen konnte und dass es relativ ruhig war.
      Das Blöde bei unserem Stadtfest ist, dass die "Electric-Bühne" 2 Häuser weiter steht, was bis fast 4 Uhr morgens (es wird von Jahr zu Jahr lauter und später) Bassbeschallung und Gegröle bedeutet. Da ist Flucht eindeutig die angenehmere Lösung! ;)

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  2. Ist ja klar, dass der Fluchtplan von Doris VIEL schöner ist als das langweilige Stadtfest in Seekirchen. 😄 Wunderbar!

    Diese Säulen finde ich unglaublich spannend. Es ist immer eine Säule, und trotzdem macht jeder Künstler etwas völlig Eigenes daraus. Das hat mich ein bisschen an die Kuh- und Löwenaktion erinnert, die wir vor vielen Jahren in Zürich hatten. Dort wurden die Figuren auch individuell gestaltet, allerdings standen sie in der ganzen Stadt herum und nicht in so einer stimmungsvollen Umgebung.

    Und dann noch ERSTE Reihe am Walchsee!! 😄 Da hat das Universum es wirklich gut mit dir gemeint. Ein Falschparker kann manchmal eben doch etwas Gutes bewirken!

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    1. Liebe Catrina,
      als langweilig würde ich das Stadtfest nicht unbedingt bezeichnen (alle Firmen im und um das Zentrum schützen ihre Freiflächen mit hohen Gitterabsperrungen und der gesamte Festbereich ist ebenfalls eingegittert - ein Ausnahmezustand. :(
      Aber bei den Säulen sind wir einer Meinung. Es ist wirklich so spannend zu sehen, was da gestaltet wurde. Bei den Kühen und Löwen dachte ich erst, ich hätte die auch gesehen, dabei waren das die Elefanten in St. Gallen! https://www.20min.ch/story/st-gallen-40-elefanten-haben-sich-auf-der-klosterwiese-niedergelassen-103196919
      Die nette Dame vom Campingplatz, die mir den tollen Platz zugeschanzt hat, war wirklich das Tüpfelchen auf dem i! :D

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  3. Danke fürs Mitnehmen auf diesen kleinen Kultur-Kunst-Trip. Zuerst dachte ich, "naja toll, Säulen...", aber die Story hinter der Säulenhalle ist sehr schön auf der Webseite beschrieben. Eine schöne Idee, vermutlich kann man etliche Stunden dort verbringen und entdeckt immer noch was neues. Eine gelungene Flucht vor dem Fest, auf jeden Fall :-)

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    1. Sehr gerne, lieber Oliver!
      Als ich darauf gestoßen bin, ging es mir ganz ähnlich. Und als ich dann mal nachlas, wie es dazu gekommen ist, wollte ich da hin! Und es hat sich wirklich ausgezahlt. :D
      Und da mich das Stadtfest dorthin hat flüchten lassen, muss ich ihm ja schon fast dankbar sein. ;)

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  4. Liebe Doris,

    da biege ich als weitere von Stoa-Säulen-Begeisterte um die digitale Ecke. Sehr interessante Installation und - wie ich gerade lese - dauerhaft dort zu besichtigen. Dahin schaffe ich es hoffentlich auch noch irgendwann. Wandert auf meine „möchte-sehen-Liste“. Danke für die Inspiration.

    Bei der Wahl zwischen „Stadtfest mit E-Bühnen-Beschallung“ und „Kulurtour und danach Baden im Walchsee“ … müsste auch ich nicht lange überlegen, was davon den Vorzug bekommt 😊

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    1. Liebe Lizzy,
      ich glaube, du hättest sogar einen Zug von München nach Weilheim, wenn du mal dorthin möchtest. Ich hatte mir nämlich diesen Ausflug auch schon mal mit Zug und Rad überlegt und deshalb die Zugverbindungen rausgesucht.
      Die Wahl war ja eigentlich gar keine, für mich stand fest - ich muss weg! :D

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  5. Liebe Doris,
    nichts gegen euer Stadtfest, aaaaber da war dein Programm doch viel reizvoller!
    Da denkt man, pah, Säulen, was soll denn da kreativ sein? Aber wie weit gefehlt. Danke für's ausführliche Zeigen. Unglaublich, was man aus diesem Thema machen kann, ich bin begeistert! Waren denn viele Besucher dort? Und was war deine Lieblingssäule?
    Dann noch einen Logenplatz am See mit gemütlichem Ausklang und ruhiger Übernachtung, herrlich. Und das ist doch Brownies Paradedisziplin, so eine spontane und flexible kleine Tour!
    Liebe Grüße, Elke

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    1. Liebe Elke,
      doch! Ganz viel gegen dieses Stadtfest!! Zumindest von den Einwohnerinnen dieser Stadt, die die Flucht ergreifen ... ;)
      Jede/r, der ich bisher davon erzählt habe, sagte erst mal: ok, Säulen. Und? Aber dass da so viel mehr dahintersteckt, entdeckt man wirklich erst nach und nach. Hatte ich eine Lieblingssäule? Ich glaube ja, aber bei jeder Runde eine andere! :D
      Bei diesem Ausflug hat sich Brownie wieder ein Stückchen Daseinsbrerechtigung zurückerobert. :D

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